Wenn ich in der Stadt oder mit dem Auto unterwegs bin, nehme ich viele Dinge wahr. Lustige, weniger lustige, traurige oder freudige Ereignisse. Wir schmunzeln über junge Menschen, die mit dem Handy in der Hand gedankenversunken durch die Gegend laufen. Der eine oder andere übersieht dabei einen Laternenpfahl oder rennt einfach auf die Straße. Im ersten Fall schmunzeln wir, im zweiten Fall geht die Sache hoffentlich glimpflich aus. Im Straßenverkehr sehen wir Menschen, die mit dem Handy am Ohr ihr Auto steuern und durch eine unsichere Fahrweise auffallen. Das Handy wird benutzt, um Mobbing zu betreiben durch die Verbreitung von Unwahrheiten oder die Versendung von gefälschten Bildern. Fake News verbreiten sich in Windeseile. Einmal in die Welt gesetzte Gerüchte haben schon so mancher Existenz erheblich geschadet.
Sollte das Handy verboten werden? Wir könnten so viel erreichen und vermeiden. Keine Beule am Kopf, verursacht durch einen Laternenpfahl, keine Verletzten im Straßenverkehr durch die Ablenkung mit dem Handy. Weniger Fake News, weniger Mobbing, weniger falsche Anschuldigungen im Netz. Ja, all das ließe sich erreichen.
Andererseits könnten wir niemanden mehr mit einem spontanen Anruf überraschen, wir könnten keine schnellen Nachrichten mehr an die Familie versenden, keine Freude machen mit einem netten aufmunternden Foto oder liebevollen Zeilen. Schnelle Hilfe holen beim Wanderunfall und viele andere Dinge mehr würden nicht mehr gehen.
Es kommt also schon darauf an, wie wir mit den technischen Errungenschaften oder überhaupt mit unseren Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, umgehen. Wir sind in der Verantwortung, über unser Tun oder Lassen Antworten zu geben. In einer funktionierenden, überschaubaren Gruppe ist das einfach. Absprachen lassen sich treffen, gemeinsame Pläne und Vorgehensweisen beschließen. Schwieriger wird es in großen Gruppen.
Ich war kürzlich bei einem Fußballspiel. Die Absprache, welche Anfeuerungslieder gesungen wurden, wann welche Musik zu welchem Spielereignis ertönte – all das funktionierte ohne große Probleme, es waren eingespielte Rituale. Im Straßenverkehr verlassen wir uns darauf, dass bei einer roten Ampel die Fahrzeuge anhalten und bei grünem Licht weiterfahren. Fußgänger verlassen sich am Zebrastreifen darauf, dass Fahrzeuge anhalten. Auch das funktioniert. Bei großen Gruppen jedoch lässt sich beobachten, dass manche Menschen im Schutz der Anonymität einer großen Gruppe verantwortungslos handeln. Beim Fußballspiel wurden dann Bengalos gezündet. Immer dann, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, zur Verantwortung gezogen zu werden, beobachten wir, dass Menschen sich verantwortungslos verhalten.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Gott fragte Adam: „Wo bist du?“ Gott stellte die Frage, um eine Antwort zu bekommen. Gott stellt diese Frage immer noch an uns Menschen. Für unser Tun und Handeln wird Jesus Rechenschaft fordern. Vielleicht hilft uns dieser Impuls, das Gute, was wir tun wollen, zu tun und das Ungute, das Böse, was wir nicht tun wollten, zu lassen. Welch ein Glück ist es, dass Jesus Gnade schenkt – jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick. Das macht mich froh.