Bläser erklingen zum Start des Kirchentages

Ökumene in Hattingen, Sprockhövel und Witten: Getrennt, und doch im Glauben vereint

Kirchenkreis. Wer in diesen Stunden in Frankfurt weilt, muss nach den Spuren des 3. Ökumenischen Kirchentages lange suchen. Menschen mir Schals, fröhliche Gesänge in U-Bahnhaltestellen, gelebter Glaube und das gute Gefühl, zu einer großen, engagierten Gruppe zu gehören – der 3. Ökumenische Kirchentag muss ohne all das auskommen. Digital und dezentral – die Pandemie zwingt auch die Christinnen und Christen dazu, lieb gewonnene Traditionen ausfallen zu lassen. Auf eine Tradition mochten die Christinnen und Christen allerdings nicht verzichten: Zum Start des Kirchentags erklingen die Bläser – und zwar nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Hattingen, Sprockhövel und Witten…

Es ist nur eine kleine Gruppe von Menschen, die sich am Mittwochmittag vor der Johanniskirche in Witten versammelt. Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) treffen sich am 12.05. um 12.05 Uhr, um symbolisch den Kirchentag zu eröffnen – auch wenn die Lust auf weitere Zoom-Konferenzen und Webinare, auf Online-Gottesdienste und Musikvideos schon mal größer war. Und doch: „Wir rufen den Kirchentag mit dem Kirchentagsruf nach Witten“, gibt sich Hans Werner Ludwig, Kirchentagsbeauftragter und Vorsitzender des Landesausschusses Westfalen, entschlossen. So wollen er und seine Kolleg*innen Interessierte auf die mehr als 80 aus Frankfurt gestreamten Veranstaltungen aufmerksam machen.

Einladung zum konfessionellen Kirchentags-Gottesdienstes am 15.05.2021, um 18.00 Uhr in der St. Marienkirche

Liebe Schwestern und Brüder in der Ökumene,

herzlich möchten wir euch zur Mitfeier unseres konfessionellen Kirchentags-Gottesdienstes „Kommt und seht!“ am 15.05.2021, um 18.00 Uhr in der St. Marienkirche, mit den Worten der Verantwortlichen des 3.ÖKT einladen:

„Kommt und seht!“ – so ermutigt Jesus seine ersten Jünger*innen, die danach fragen, wo er wohnt (vgl. Johannes 1,39). Lassen wir uns von Jesus Christus einladen an die Orte, an denen er seiner Verheißung gemäß gegenwärtig ist!

Bei allen bisherigen ÖKT war die Frage nach der Gemeinschaft im Abendmahl und in der Eucharistie für die Teilnehmer*innen von sehr hoher Bedeutung. Dies wird auch 2021 wieder so sein. Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren vertieften theologischen Bemühungen um Gemeinsamkeiten im theologischen Verständnis, in der spirituellen Haltung und bei der liturgischen Gestaltung von Abendmahl und Eucharistie hat das Präsidium des 3. ÖKT ein Gemeinsames Zeugnis angeregt. Darin soll zu Beginn der konfessionellen Gottesdienste das gemeinsame Vertrauen auf die Gegenwart Jesu Christi bekannt werden. Es bildet den Hintergrund für das gegenseitige Vertrauen in die Gewissensentscheidung derer, die an Abendmahl und Eucharistie einer anderen Konfessionsgemeinschaft teilnehmen-immer im nötigen Respekt für den Gastgeber.

So richtet sich das Augenmerk über den Kreis der evangelischen und römisch-katholischen Gemeinden hinaus auch auf die weiteren Kirchen in der „Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen“ (ACK)

Wir hoffen, dass die konfessionellen Gottesdienste am Abend des 15. Mai 2021 dazu beitragen, den Weg der Einheit der verschiedenen christlichen Kirchen zu stärken und das in der Taufe bereits bestehende sakramentale Band der Einheit zu festigen.

(Stephan Goldschmidt und Dorothea Sattler, Leiter*innen der Projektkommission)

Die notwendige Anmeldung zum Gottesdienst sollte über das Pfarramt St. Marien: Tel.: 02302 56540; Fax: 02302 2781938;  marien@katholisch-in-witten.de. Erfolgen.

Wir freuen uns auf euch

Fritz Barkey und Joachim Gresch

 

Ökumenisches Gedenken an die Verstorbenen der Pandemie am 18.04.2021

 

Witten. Seit mehr als einem Jahr hat die Corona-Pandemie auch Witten fest in der Hand. Von den 3100 Menschen, die bislang in Witten an Covid-19 erkrankt sind, starben 107 Männer und Frauen. „Nur“, mag man denken angesichts der globalen Dimension dieser Pandemie. Doch jeder Tote steht natürlich für ein Schicksal, für ein Leben, für Träume und Pläne, die sich nun nicht mehr erfüllen können. Am 18. April findet ein bundesweiter, durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausgerufener Gedenktag der Corona-Toten statt – und diesen nehmen die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Witten zum Anlass, ökumenisch verbunden ebenfalls aller Verstorbenen seit März 2020 zu gedenken. Derer, die an und mit Corona verstorben sind und auch derer, die unter den besonderen Beschränkungen des Lockdowns ihren letzten Weg gehen mussten.

„Wir wollen der Trauer, aber auch der Hoffnung einen Raum geben“, erläutert Julia Holtz, Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis, das gemeinsame Engagement. Dazu öffnen die Protestanten am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr die Johanniskirche in der Wittener Innenstadt. Zu jeder vollen und halben Stunde gibt es einen kurzen, geistlichen Impuls; daneben ist viel Zeit für das stille Gedenken an die Verstorbenen und für die Möglichkeit, Kerzen zu entzünden. Vertreter*innen der ACK sind vor Ort und stehen für Gespräche zur Verfügung. „Trauer und Abschied lassen sich nicht auf eine Konfession festlegen, darum sind wir froh, dass wir durch die Beteiligung aller ACK-Kirchen gemeinsam einen Raum anbieten können, um an die Menschen zu denken“, so Udo Bilgard von der Neuapostolischen Kirche. Sein protestantischer Amtsbruder Claus Humbert erinnert sich an den besonderen Schmerz vieler Angehöriger, weil Beerdigungen unter den besonderen Corona-Bedingungen eben nicht wie gewohnt im großen Kreis stattfinden konnten. „Gerade eine würdevolle Beisetzung ist für viele Trauernde ein großer Trost.“ Friedrich Barkey (Katholische Kirche) ist darum dankbar, dass der Bundespräsident mit seiner Initiative eine Möglichkeit geschaffen hat, im ganzen Land an einem gemeinsamen Tag der Verstorbenen, ihrer Angehörigen, aber auch derjenigen zu gedenken, die heute noch an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung leiden.

Auch das Ev. Krankenhaus in Witten beteiligt sich mit einer Aktion. Von Freitag, 16. April, bis Sonntag, 25. April, gibt es im Eingangsbereich des Krankenhauses an der Pferdebachstraße einen Gedenkort, um der Trauer einen Raum zu geben. An dieser Stelle wird ein Apfelbaum als Baum der Hoffnung aufgestellt. Mitarbeitende und Menschen, die zu einem Besuchs- oder Arzttermin ins Evangelische Krankenhaus kommen, können auf farbigen Karten beschreiben, woraus sie in diesen Pandemie-Zeiten Zuversicht schöpfen. Diese Karten können sie anschließend in die Zweige des Baumes hängen. Zudem besteht die Möglichkeit, seine Anteilnahme in einem Kondolenzbuch zum Ausdruck zu bringen.

Das Team rund um Krankenhausseelsorger Stephan Happel möchte damit Raum geben für das Gedenken, für Trauer und Hoffnung. Nach dem 25. April wird der Apfelbaum auf dem Gelände des Krankenhauses eingepflanzt, damit die Hoffnung auch Wurzeln schlagen kann

Zum Gedenken und persönlichen Gebet sind darüber hinaus am 18. April viele Kirchen in Witten geöffnet. Einzelheiten erfahren Interessierte in den Gemeindebüros, auf den Homepages und in den Schaukästen der Gemeinden.

Bildzeile: Tauffenster in der Johanniskirche. Dort können Menschen am 18. April Kerzen anzünden, beten und kurzen Impulsen lauschen.

Offener Brief der ACK-Witten

An die Mitglieder
des Wittener Integrationsrats
des Wittener Internationalen Netzwerks (WIN)
der Wittener Moscheegemeinden Sultan-Achmet-Camii, Fatih Camii, Ayasofya Camii und das Bosnische Kulturzentrum

Witten, im Februar 2020

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

angesichts des furchtbaren Attentats von Hanau möchten wir als Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Witten unsere große Betroffenheit zum Ausdruck bringen und allen Opfer und deren Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Mit Entsetzen nehmen wir zur Kenntnis, dass Menschen anderer Herkunft oder Religion in unserer Mitte diskriminiert oder bedroht werden. Dagegen betonen wir, dass aus christlicher Sicht die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Wir glauben, dass jedem Menschen als Geschöpf Gottes in gleichem Maße Achtung und Wertschätzung gebührt, unabhängig von seiner ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung.

Wir sind sprachlos, aber auch wütend und beschämt über den wachsenden Hass in Teilen unserer Gesellschaft, der von menschenfeindlichem, rassistischem, antiislamischem und antisemitischem Gedankengut durchdrungen ist. Diese Gewalttat ist die brutale Konsequenz des Gifts, das rechtspopulistische und rechtsextreme Kreise streuen. Dagegen treten wir für eine tolerante und offene Gesellschaft ein, in der jeder Mensch in Freiheit, Würde und Sicherheit leben kann, und bekunden unsere Solidarität mit allen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt.

Am vergangenen Sonntag haben wir in unseren Gottesdiensten der Opfer von Hanau und ihrer Angehörigen gedacht und für ein gutes Miteinander in unserem Land und unserer Stadt gebetet.

Allen, die sich direkt oder indirekt durch rassistische Gewalt bedroht fühlen, möchten wir unsere uneingeschränkte Solidarität bekunden. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir uns dafür starkmachen, dass alle Menschen in Witten in Frieden, Freiheit und Menschenwürde mit einander leben können.

Gezeichnet:
Pfarrer Claus Humbert (Vorsitzender der ACK-Witten)
Pfarrer Fritz Barkey (Stellvertretender Vorsitzender)
Udo Bilgard (Stellvertretender Vorsitzender)
Pfarrerin Julia Holtz (Superintendentin)

Hier können Sie den offenen Brief der ACK-Witten als pdf-Dokument herunterladen.

In der ACK sind die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Witten (Baptisten), die Selbstständig Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde (SELK), die Freie evangelische Gemeinde Witten-Bommern (FeG), die Neuapostolischen, die Römisch-Katholischen sowie die Evangelischen Kirchengemeinden Wittens zusammengeschlossen.

„Suche den Frieden und jage ihm nach“

Friedensgottesdienst der ACK-Witten zur 80. Wiederkehr des Ausbruchs des 2. Weltkriegs

Von Martin Plücker

Witten. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ – unter diesem Motto stand der Friedensgottesdienst, zu dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Witten am 1. September in die Johanniskirche eingeladen hatte. An diesem wichtigen Datum gedachten die rund 150 Teilnehmenden an den Ausbruch des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren. Gleichzeitig wurde aber auch die Dankbarkeit für fast 75 Jahre Frieden spürbar.

Schülerinnen und Schüler des Ruhr-Gymnasiums bereiteten diesen Gottesdienst mit ihrer Lehrerin Annika Neurath und Schulseelsorger Joachim Gresch vor. Eindrücklich erinnerten sie mit Texten und Bilder an die Schrecken des Krieges. Fürbitten für den Frieden wurde unterstützt von Kerzen und Blumen, die in ein Geflecht aus Stacheldraht gestellt wurden. Und mit persönlichen Gedanken gaben sie Impulse weiter, wie wir uns heute für ein friedvolleres Miteinander einsetzen können.

Die Predigt hielt Dr. Pete Wilcox, Bischoff von Sheffield, als besonderer Gast zum Friedensgedenken. Zwischen dem dortigen anglikanischen Bistum und der evangelischen Kirche hier in Witten besteht eine rund 30-jährige Partnerschaft. In seiner Predigt erinnerte Wilcox daran, dass es ein Privileg ist, in Friedenszeiten leben zu dürfen. Frieden fällt nicht vom Himmel. Er beruht auf Gerechtigkeit und wird da Realität, wo sich Menschen für den Ausgleich von Ungerechtigkeiten und ein faires Miteinander einsetzen.

Musikalisch abwechslungsreich gestaltet wurde der Gottesdienst durch Schüler des Ruhr-Gymnasiums, das Collegium Musicum Witten, die Kantorei Allerheiligste Dreifaltigkeit aus Wanne, Georg Klopf (Orgel) und Wilfried Rompa (Kontrabass).

Über diesen bewegenden Gottesdienst hinaus bleibt die Aufforderung und Ermutigung an jeden ganz persönlich: „Suche Frieden und jage ihm nach.“

Was uns verbindet ist stärker …

Die ACK-Witten auf dem Kirchentag in Dortmund

Dortmund. „Was uns verbindet ist stärker …“ – mit einem pfiffigen Theaterstück hat sich die ACK-Witten am Samstag, den 22. Juni 2019, im Rahmen des WeltGartens auf dem Dortmunder Kirchentag präsentiert. Britta Lennardt, Schauspielerin aus Witten, hatte das Stück extra für diesen Anlass geschrieben.

Mit viel Humor brachten die sechs VertreterInnen der Wittener ACK als SchauspielerInnen unterschiedliche Sichtweisen und Verständnisse rund um Kirche und Glauben pointiert zum Ausdruck. Trotz aller Unterschiede zeigten sie ihr gemeinsames, verbindendes Fundament auf: Jesus Christus. Schön veranschaulicht durch das Kreuz, das im Verlauf des Theaterstückes aus einzelnen Würfeln mit den Logos der sechs verschienden Gemeinden zusammengesetzt wurde.

„Was uns verbindet ist stärker als das, was uns unterscheidet.“ Das ist mehr, als der Titel eines Theaterstücks – es beschreibt das Anliegen und das Miteinander der 2018 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Witten.

 

Bildzeile:

Die Wittener Akteure von links nach rechts: Udo Bilgard (Neuapostolische Kirche), Joachim Gresch (Katholische Kirche), Martin Plücker (Freie evangelische Gemeinde), Hinrich Schorling (Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche), Annette Grabosch (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde), Christian Uhlstein (Evangelische Kirche), Britta Lennardt (Schauspielerin)

Gemeinsames Nein zu jeder Gewalt im Namen der Religionen

„Wir lehnen jede Form von Terrorismus ab!“

Muslime und Christen in Witten: Gemeinsames Nein zu jeder Gewalt im Namen der Religionen

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Witten. „Wir haben Respekt vor jedem Glauben und wir lehnen jede Form von Terrorismus ab!“ Mit einer unmissverständlichen Haltung trat der Imam der Türkisch-Islamischen Gemeinde in der Wideystraße, Sefa Karakoc, am heutigen Donnerstag in der evangelischen Johanniskirche vor Vertreterinnen und Vertreter aller christlichen Kirchen in Witten. Gemeinsam mit einigen weiteren Mitgliedern der muslimischen Sultan Ahmet Camii-Gemeinde  hatte der Vorbeter spontan einen Termin vorgeschlagen, um angesichts der schrecklichen Attentate vom Osterwochenende  auf Sri Lanka sein Mitgefühl und seine Trauer über die Anschläge zu teilen.

Superintendentin Julia Holtz bedankte sich im Namen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) für diese Geste und sprach umgekehrt auch das Mitgefühl der Gruppe für die Attentate in Neuseeland aus. „Natürlich tragen Sie keine Verantwortung für das, was in Sri Lanka geschah und umgekehrt hat auch von uns keiner Kontakt zu den Tätern von Christchurch“, betonte die evangelische Pfarrerin. Hinter Taten, die von terroristischen Tätern im Namen der Religion begangen würden, versteckten sich oftmals nationalistische oder ökonomische Interessen. „Da müssen dann der Koran oder die Bibel für eigene Machtinteressen herhalten.“ Dennoch sei der Besuch „eine großartige Geste.“ „Die Religionen in Witten stehen seit 30 Jahren im Dialog für den Frieden“, betonte die Superintendentin. „Und da lautet unsere wichtigste Botschaft: Keine Religion darf zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden.“

Vertreterinnen und Vertreter der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Witten, der Evangelisch-Lutherischen Kreuzgemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Witten-Bommern , der Neuapostolischen, der römisch-katholischen Kirche sowie des Evangelischen Kirchenkreises, nutzten den Besuch der muslimischen Gäste zu einem gemeinsamen Eintrag in das in der Johanniskirche ausliegende Gebetsbuch und tauschten sich bei einem anschließenden Kaffeetrinken aus. Ihr gemeinsames Credo: „Wir sagen gemeinsam Nein zu jeder Gewalt im Namen der Religion!“

 

Bildzeilen:


Imam Sefa Karakoc: Der Imam der Sultan Ahmet Camii-Gemeinde  (rechts) besuchte gemeinsam mit weiteren Repräsentanten der muslimischen Gemeinde in der Wideystraße die Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Kirchen in Witten, um sein Mitgefühl und seine Trauer über die Attentate auf Sri Lanka zum Ausdruck  zu bringen. Ertugrul Karatoprak (links) übersetzt für den aus Ismir in der Türkei stammenden Vorbeter, der erst seit zwei Jahren in Deutschland lebt.

Besuch Vertreter Ditib: Gemeinsam trugen sich die Wittener Muslime und die Vertreterinnen und Vertreter der ACK in das Gebetsbuch in der evangelischen Johanniskirche ein.

Konstituierende Sitzung der Wittener ACK

Mit einem festlichen Gottesdienst wurde die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche (ACK) in Witten am 11. November 2018 gegründet. Drei Monate später, am 6. Februar 2019, trafen sich nun die Delegierten der sechs Mitglieder zur konstituierenden Sitzung im Gemeindehaus der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien.

Einstimmig wurde ein Vorstand gewählt: Vorsitzender der Wittener ACK ist Pfarrer Claus Humbert, die beiden Stellvertreter sind Pfarrer Fritz Barkey und Udo Bilgard.

Auf der nächsten Delegiertenversammlung im März wird es dann um weitere Ideen und Planungen für die Zusammenarbeit gehen.

Der neue Vorstand der ACK-Witten (v.l.n.r.): Udo Bilgard (Neuapostolische Kirche Witten), Claus Humbert (Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten) und Fritz Barkey (Katholische Kirchen im pastoralen Raum Witten).

Gründungsgottesdienst der ACK-Witten

Einander tragen und auch mal ertragen…

Christen in Witten gründen Arbeitsgemeinschaft ACK

„Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht Euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens!“

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Witten. Mit ihrer Unterschrift unter einer gemeinsamen Satzung beurkundeten am gestrigen Sonntag die sechs christlichen Kirchen der Stadt ihren Willen, als „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Witten (ACK)“ nun auch gemeinsam erkennbar zu sein. 300 Christinnen und Christen aus den teilnehmenden Religionsgemeinschaften feierten in der Erlöserkirche in Annen einen fröhlichen Gottesdienst zur Gründung der ACK-Witten. Dabei standen der gemeinsame Glaube, das Gemeinwohl und die gemeinsame Verantwortung für die Stadtgesellschaft im Mittelpunkt: „Wir wollen in der ACK mit einer Stimme das Wort ergreifen und uns für die einsetzen, die in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden“, formulierte Udo Bilgert von der Neuapostolischen Kirche (NaP).

Annette Muhr-Nelson, Vorsitzende der ACK NRW, brachte als Ehrengast ein paar Zahlen mit: „Wenn Sie gleich unterzeichnen, dann sind Sie die 41. ACK in Nordrhein-Westfalen“, Bereits 1948, noch unter dem Einfluss des Weltkrieges und der Rolle der Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus, bildete sich ein Zusammenschluss christlicher Kirchen in Deutschland, um die ökumenische Zusammenarbeit und die Einheit zu fördern. Dass die Kirchen in Witten erst 70 Jahre später einen entsprechenden Vertrag aufsetzen, liegt wohl auch daran, dass die Zusammenarbeit im Alltag an der Ruhr auch ohne gemeinsame Satzung gut funktioniert. „Wir haben schon viel zusammen erlebt und miteinander auf die Beine gestellt“, betont Claus Humbert von der Evangelischen Kirche mit Blick auf seinen katholischen Bruder Friedrich Barkey, mit dem ihn erkennbar auch eine private Freundschaft verbindet.

Symbolisch wurde im Gottesdienst aus sechs Würfeln ein Kreuz gebaut. Jeder der Würfel steht für je eine der Kirchen, die sich dem interessierten Publikum kurz vorstellte. Zwischen der Gründung der katholischen Kirche im Jahr 30 nach Christus und der Entstehung der Neuapostolischen Kirche in Witten vor knapp 120 Jahren liegen nicht nur fast zwei Jahrtausende, sondern auch eine wechselvolle und oft auch blutige Kirchengeschichte, in der nicht zuletzt immer auch um die „richtige“ Auslegung des Glaubens gerungen wurde.

„Wir wollen einander tragen und manchmal auch in Liebe ertragen“, beschreibt schmunzelnd Martin Plücker von der Freien Evangelischen Gemeinde Witten (FeG) die heutige Haltung der Partner. Bestehende Unterschiede, etwa beim Abendmahl, dem Amtsverständnis und auch der Taufe, werden durch die ACK nicht nivelliert. „Dadurch, dass wir die Unterschiede respektieren und unseren Glauben auch in seiner Unterschiedlichkeit akzeptieren, wollen wir zeigen, dass das Christentum offen ist für Vielfalt“, so Claus Humbert.

Ein erstes erkennbares Ergebnis der neuen Gemeinschaft ist der Projektchor, den Finn-Ole Steffen von der Kreuzgemeinde (SELK) mit Musikbegeisterten aus allen beteiligten Gemeinden zusammengeführt hat. „We can move mountains“ – Wir können Berge versetzen, schallte es zuversichtlich durch die Erlöserkirche, bevor die Gemeindevertreter zur Tat schritten.

Bei aller Festtagsfreude vergaßen die Christen aber nicht, worum es eigentlich geht. „Das Feld in der Mitte ist bewusst frei gelassen“, so Pfarrer Humbert mit Blick auf das bunte Würfel-Kreuz. „Denn unsere Mitte, um den herum wir alle uns versammeln, ist Christus“, formulierte er bewusst demütig: „Keine Kirche „hat“ die Wahrheit, sondern wir alle bezeugen Jesu als Gottes Wahrheit für uns.“

Hintergrund:

Zusammenarbeit, gegenseitiger Austausch, die Verbundenheit und die Förderung des respektvollen und wertschätzenden Umgangs sind die Kernthemen der gemeinsamen Satzung.

Unterzeichnet haben diese:

  • die Evangelische Kirche (Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten, Gemeinden in Witten),
  • die Römisch-Katholische Kirche (Pastoraler Raum Witten),
  • die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Witten (Baptistengemeinde),
  • die Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde Witten (Selbstständig Evangelisch-Lutherische Kirche),
  • die Freie Evangelische Gemeinde Witten (Bommern) und
  • die Neuapostolische Kirche (Bezirk Ennepe-Ruhr, Gemeinden Witten und Witten-Annen).

Im Beisein der ACK-NRW-Vorsitzenden Annette Muhr-Nelson (links) präsentieren Vertreter der Wittener Kirchen und Gemeinden die gemeinsame Satzung. V.l.n.r.: Ulrich Martens (Gemeinde im Oberdorf, Baptisten), Claus Humbert (Evangelischer Kirchenkreis Hattingen-Witten), Friedrich Barkey (Katholische Kirche), Martin Plücker (FeG = Freie evangelische Gemeinde Witten), Udo Bilgard (Neuapostolische Kirche)  und Hinrich Schorling (SELK = Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche)